Wer sind wir?

Früher, als die geistige Ausbildung und seelische Festigung noch vorwiegend in Klöstern unter ständiger Begleitung und Führung geschah, gingen die im allgemeinen noch jugendlichen Schüler durch ein anspruchsvolles Programm (çile) von 1001 Tagen. Es war eine Schulung, die - nachdem die Aspiranten den Eingangstest durchgestanden hatten - fast ausnahmslos zu Resultaten führte.

 

Heute ist die Situation eine völlig andere: nicht nur dass keine Klöster mehr existieren, aber auch die ständige Begleitung durch den Scheich ist in der heutigen Gesellschaft fast nicht mehr möglich. Die Ausbildung, das Sensibilisieren und die Willensstärkung haben in einer Weise zu geschehen, die zur heutigen Gesellschaft passt. Die Mevlevi waren nie Fremdkörper in der Gesellschaft, sondern vielmehr willkommene Kräfte zur moralischen und ethischen Stärkung der jeweils aktuellen Gesellschaftsform.

 

Der Schüler von heute ist erwachsen und wählt weitgehend selbst die Intensität seiner Ausbildung. Zwang ist kein Thema, ganz im Respekt zum Korenvers 2,256: "In der Religion gibt es keinen Zwang ". Dieser Umstand verlangt aber vom Schüler - wenn er erfolgreich sein will - einen starken Willen und eine hohe Eigenverantwortung, was auch bei Erwachsenen oft fehlt. Als Stütze dient die Gemeinschaft und Freundschaft unter Gleichgesinnten, und wer "die Hand des Scheichs halten" will, tut dies aus eigenem Antrieb. Der Scheich ist mehr Begleiter als Führer, mehr Freund als Vorsteher.

 

Erste Richtschnur der Arbeit ist "Adab", der Verhaltenskodex, wie er aus dem Koran und den islamischen Überlieferungen abgeleitet werden kann. Adab ist vorerst Respekt und Liebe für den einzelnen Menschen, im Wissen, dass jeder Mensch seine eigene Schönheit besitzt - manchmal sichtbar, manchmal noch verdeckt - und dass jedes Individuum sein eigenes Geheimnis mit Gott unserem Herrn hat. Wir sind aufgefordert, uns immer wieder daran zu erinnern, dass alles, was wir sehen, erkennen und zu wissen glauben nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit ist. Wir vermögen nie die Grösse Gottes auch nur im Ansatz zu sehen, und darum ist jede Meinung, die wir hegen, nur innerhalb unserer eigenen Beschränktheit allenfalls für eine kurze Zeit zulässig. Und so ist unsere ganze Eigenständigkeit lediglich eine Fata Morgana und unser Denken und Handeln nur dann sinnvoll, wenn wir es unter Gottes Obhut stellen.

 

Die zweite Richtschnur der Arbeit ist somit, dass wir ständig alles in den Kontext von Gottes Grösse stellen. In unseren Gebeten bitten wir darum, dass Gottes Segen unser Denken und Handeln begleite, auf dass es Teil seines Willens sein möge. Der Mevlevi ist sich bewusst, dass Erwartungen die Tendenz haben, ihn vom Bewusstsein über die Wirklichkeit wegzubringen und dass jedes kritische Urteil, das er oder sie über eine Person fällt, schnell mal der Besonderheit dieser Person vor Gott nicht mehr gerecht wird.

 

Die Grossartigkeit des Islams für die heutige Zeit ist seine Eindeutigkeit und Klarheit. Islam ist Religion und Philosophie in einem. Alles wird wieder und wieder in den Kontext der Einheit allen Seins unter Gottes Allmacht gestellt. Die Grösse der islamischen Botschaft lässt sich nie und nimmer in den Rahmen einer bestimmten Gesellschaftsstruktur einkerkern. Und trotzdem haben traditionelle Rituale ihren unschätzbaren Wert, tragen sie doch etwas von der Kraft und Hingabe in sich, die jede und jeder Suchende in der Vergangenheit hineingetragen hatte. Durch das Verbundensein mit dem Mevlevitum erfährt die/der Aufrichtige zusätzlich die hintergründige Kraft des Islam und der Propheten.

 

Wöchentlich treffen wir uns zu Gebet, Gottesgedenken (Dhikr) und Studien und pflegen die Gemeinschaft. Diese Zusammenkünfte stehen allen Interessierten offen, die mit dem nötigen Respekt zu uns stossen. Im weiteren üben wir das Drehen, ein äusserst effektvolles Exerzitium, das einige Male im Jahr im Sema (Drehritual) seinen Höhepunkt findet. Doch das wichtigste Übungsfeld ist der Alltag, in dem wir ständig Gelegenheiten finden, das Gelernte zu festigen und uns am Konkreten zu testen.

 

Du wirst frei werden von Wünschen,
Von den inneren Fantasien.
Du wirst leer werden.
Du wirst leben ohne Atem.
Du wirst eintauchen in das Leben von Ya-Hu,
Und dann wirst du aufhören, Ya-Hu zu sagen.

Du wirst zum Fenster eines jeden Hauses,
Zum Rosengarten in jedem Feld.
Verlässt du dein Selbst und lässt deine Existenz abfallen,
So wirst du Ich, ohne Mich.


(Divan-i Kebir, Meter 1, Gasel 147,
Verse 1937+1940; Übersetzung Daniel Beck)

 

 

Wir als Mevlevi Tarikat in der Schweiz arbeiten sehr eng zusammen mit unserer Dachorganisation "Internationale Mevlana Stiftung" in Istanbul und nennen uns deshalb "Internationale Mevlana Stiftung Schweiz". Die Gründung einer eigenen Rechtsform wurde aber notwendig. So haben wir im Herbst 2014 den Mevlana-Verein Schweiz gegründet, der für unsere bescheidenen finanziellen Mittel gerade steht. 

 

Folgende Personen koordinieren zur Zeit die Tarikat in der Schweiz:

 

Peter Hüseyin Cunz   Lehrbeauftragter (Scheich), Vereinspräsident
Anne Regard Cunz  Erstkontakte, Kommunikation
Elisabeth Gubelmann  Erstkontakte, Administration, Finanzen
Nicolas Furger

 Kalif und Leiter Drehritual (Semazenbaschi)

Alexander Stoll  Kalif und Themenabende, Anlässe
Bärbel Hübner  Raumverantwortliche
Alma Hajdarevic

 Vereins-Vizepräsidentin

Bahar Can  Kontakte in die Türkei
Tülin Özgür  Kontakte in die Türkei


Arbeits-Beziehung mit Leiterinnen und Leiter von Mevlevi-Gruppen im Ausland:

Nur Artiran, Istanbul, Türkei 
Süleyman Bahn, Deutschland 
Gustavo Martinez, Miami, USA 
Muhamad Carlos Leal Roel, Mexiko und Spanien 
Claudia Patricia Rodriguez Chaves, Kolumbien 

 

 

 

 

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