Mevlanas Auswanderung aus der Stadt Balch

Es ist eine bekannte Tatsache, dass Sultanü'l-ulema wegen Meinungs- und Glaubensverschiedenheiten aus Balch auswanderte. Denn in seinen Predigen hielt er sich nicht zurück und pflegte seine Meinung offen zu äussern. Er predigte: "Wer an philosophischen Gedankengängen hängen bleibt und den Verstand über alles schätzt, ist nicht auf dem Weg Mohammeds". Es gab andere Gelehrte, die auf ihn neidisch waren und alles unternahmen, um seine Beziehung zum König zu stören.

Um keine Unruhe zu stiften, entschied sich Sultanü'l-ulema auszuwandern. Er nahm seine engsten Schüler, die Kalifen und seine Familie mit sich und verliess die Stadt Balch. Sie begaben sich von einer Stadt in die andere. Über Bagdad vollzogen sie die Pilgerfahrt (Hajj) und wanderten danach weiter nach Anatolien. In Aksehir, einer Provinzstadt von Erzincan, verbrachten sie den Winter. Und dort wurden sie vom Seldschukischen Herrscher Alaüddin Keykubat nach Konya eingeladen. Die Karawane hatte sich in verschiedenen Städten der heutigen Türkei vorübergehend niedergelassen, bevor sie schliesslich in Konya sesshaft wurde. Eine dieser Städte war Karaman, wo Sultanü'l-ulema mit seiner Karawane sieben Jahre gelebt hatte. In dieser Stadt heiratete Mevlana.

Noch bevor die Karawane der Auswanderer sich nach Anatolien aufmachte, machte sie Station in Nisabur. Als Feridüddin-i Attar hörte, dass Sultanü'l-ulema Nisabur mit seinem Besuch beehrte, begab er sich sofort dorthin, um ihn zu sehen, denn Feridüddin-i Attar und Sultanü'l-ulema gehörten beide zu den besten Schülern von Necmüddin-i Kübra und gehörten somit dem gleichen Kübreviyye Orden an. Man sagt, dass Feridüddin-i Attar die geistige Grösse von Dschelaleddin Muhammed geahnt habe und zu dessen Vater gesagt haben soll: "Ich glaube, dein Sohn wird eines Tages, in göttlicher Liebe verbrennend, Feuer in die Herzen verbreiten." Mit grosser Freude übergab er diesem jungen Mann, der das göttliche Geheimnis erfahren wird, sein Buch "Esrar-name". Mevlana liebte dieses Buch über alles und bewahrte es stets bei sich auf. Später erzählte er im Mesnevi auch Geschichten aus dem Esrar-name, und im Divan-i Kebir finden sich ebenso Stellen, in denen er seiner Liebe zu Attar Ausdruck gibt.

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