Trauerzug

Am Sonntag Morgen wurde sein Sarg herausgetragen. Die ganze Stadt Konya, Jung und Alt, waren am Trauerzug anwesend. Weil Mevlana, der grosse Heilige, jedem Gutes getan und Segen gewünscht hatte, weil er stets den Frieden geliebt hatte und sich sehr weitherzig gezeigt hatte, wurde er nicht nur von Muslimen, sondern auch von Juden und Christen in Tränen verabschiedet. Auf der Hauptstrasse war ein dichtes Gedränge von der Menschenmasse - und jeder wollte den Sarg berühren. So kam der Sarg erst am Abend an dem Ort der Beisetzung an, wo das Gebet für Mevlanas Seelenheil gesprochen werden sollte.

Mevlanas letzter Wille lautete, dass Sadreddin Konevi dieses Gebet verrichten solle. Doch als dieser sich anschickte zu beten, fing er zu weinen an und fiel ohnmächtig zu Boden. Als man ihn nach dem Grund seines Schluchzens fragte, sagte er: "Als ich mich vor den Sarg hinstellte, um das Gebet zu verrichten, sah ich Engel, die sich in einer Reihe vor dem Sarg aufgestellt hatten. Ihre Majestät und Schönheit aber habe ich nicht ertragen können".

Nach dem Gebet wurde Mevlana neben dem Grab seines Vaters Sultanu'l-ulema und Selahaddin Zerkubi begraben. Die Stadt Konya erlebte einen traurigen Abend. Mevlanas weltliches Sein hatte sich von unseren Augen zurückgezogen, doch sein geistliches Sein blieb in den Herzen der Gläubigen zurück und wird immerfort dort bleiben. Er kannte diese Tatsache und hatte deshalb die Worte gesprochen: "Sucht nach unserem Tod unsere Gräber nicht auf dieser Erde. Unsere Grabstätten befinden sich in den Herzen der Gläubigen".

Mevlanas heiliges Grab ist neben dem seines Vaters - doch der Sultan der Gelehrten und Gläubigen und der Sultan der Liebe leben in jedem Haus, inmitten jeder Gesellschaft und in jedem Herzen weiter, die sich ihrer erinnern. So hat sich Mevlana zwar vor den Augen versteckt, in den Herzen aber niedergelassen.